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Montag, 1. Januar 2018

Beispiel eines Kirchenvaters: Tertullian

Die letzten Monate beschäftigte ich mich intensiv mit der Kirchengeschichte und war doch erstaunt, wie stark mich die Männer und Frauen der letzten Jahrtausende zu einem Lebenswandel anspornen, der Gott Freude bereitet. Ich fühle ich mich so unwürdig, dass ich mich genauso "Christ" nenne, wie auch diese Helden es tun. Allein die Gnade Gottes macht das möglich, nicht unser Verdienst.
Ja, Gott sei Dank. Ich bin aus Glauben gerettet, nichts Gutes ist in mir. Jesus bezahlte den Preis.

Einer meiner Helden ist Tertullian (* nach 150 in Karthago; † nach 220) . Er war der Sohn eines römischen Offiziers. Er hatte eine juristische und rhetorische Ausbildung und arbeitete in Rom einige Zeit als Anwalt, so ist es auch nicht verwunderlich, dass viele seiner Streitschriften einem juristischen Plädoyer gleichen. Anfangs lehnte er zwar noch das Christentum ab, doch konnte er das starke Zeugnis der Jesusanhänger nicht leugnen. Zu dieser Zeit herrschte eine starke Christenverfolgung unter Septimius Severus. Die Römer warfen den Christen Kindermord, Kannibalismus und Geschwisterehen vor. Ihnen wurde die Schuld an diversen Naturkatastrophen gegeben. Weil die Jünger sich aufgrund des ersten Gebotes ("Ich bin der Herr dein Gott.") weigerten den Kaiser anzubeten, wurden sie gejagt, gefoltert und getötet. Severus erließ unter Androhung der Todesstrafe ein Verbot aller Bekehrungen zum Christentum oder Judentum. Christsein wurde nun verstärkt mit Staatsfeindlichkeit gleichgesetzt. Das Leben dieser Menschen berührte Tertullian, sodass er selbst gläubig wurde und sich für die Verfolgten einsetzte.

Als die Christenverfolgung in Karthago zunahm, veröffentlichte er im selben Jahr sein Apologeticum, um die Christen zu verteidigen. Dieses Werk sollte eigentlich noch umfrangreicher werden, doch er erkannte die Notwendigkeit einer vorzeitigen Veröffentlichung. In seiner Streitschrift schrieb er, dass unter den damaligen Christen ein reges Gemeindeleben herrsche, das der Apostelgeschichte ähnelte. Diese Gläubigen wären unbestechlich und würden die Armen mit Almosen versorgen. In seiner Schrift griff er den Kaiser an und machte sich über seinen Kaiserkult lustig. Er warf ihm vor im Gericht unrecht zu sprechen.  "Es gibt solche Stellen, wo Tertullian Verteidiger der Christen wird, die, wenn sie angeschuldigt werden, unter einer Prozedur, die dem Foltern sehr ähnlich ist, nicht leugnen, sondern gestehen, daß sie Christen sind und woran sie glauben. Da sagt Tertullian: Überall sonst beschuldigt mandiejenigen, die gefoltert werden, daß sie leugnen; bei den Christenmacht man es umgekehrt: man erklärt sie für verrucht, wenn sie gestehen,was in ihrer Seele ist. Man will sie durch das Foltern nicht dazuzwingen, daß sie die Wahrheit sagen, was allein einen Sinn hätte; man will sie dazu zwingen, daß sie die Unwahrheit sagen, während sie die Wahrheit sagen. Und wenn sie die Wahrheit gestehen aus ihrer Seele heraus, so betrachtet man sie als Bösewichter. "

Während der Verfolgung unter Severus sandte er um 200 eine Trostschrift an die Märtyrer im Gefängnis (Ad martyras). Sein Sprachstil war gehoben. Bis heute gilt er als einer der originellsten lateinischen Kirchenautoren.
Tertullian verfasste zahlreiche weitere apologetische Werke und eine Reihe von Streitschriften gegen die Häretiker, insbesondere gegen Marcion und den Doketismus und die Gnosis der Valentinianer, aber auch gegen die Juden, weil sie so verstockt seien, in Christus nicht den erwarteten Messias anzuerkennen. [...] Weiters schrieb er Werke über die Askese, insbesondere über die sexuelle Enthaltsamkeit, über die Ehe und Monogamie, aber auch Schriften privater Natur.

Er warnte vor den Unterhaltungen seiner Zeit, wie Theater, Zirkus oder dem Wagenrennen. Er sagte: "Wird der, der sich dort befindet, wo nichts ist, was Gott angehört, wohl während dieser Zeit an Gott denken? Wie soll ich es nennen, wenn manche von der Gemeinde Gottes zur Gemeinde des Teufels eilen?" Statt nach Vergnügungen zu suchen, sollte der Christ sich ernsthaft mit einem Leben bei Gott vorbereiten. Eine seiner Formulierungen bildetet später die Grundlage für die spätere Trinitätslehre. So sagte er über Gott: "Una substantia tres personae." Er meinte damit, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist drei Personen sind, die aber gemeinsam eine Einheit Gottes bilden. So wurde Tertullian ein Verteidiger der Trinitätslehre.

Tertullian starb um 220. Sein Verdienst war, dass er die Theologie  in die lateinische Literatur implementiert hat. "Er übersetzte zahlreiche biblische Texte aus dem Griechischen und schuf dabei neue lateinische Worte. Viele spätere Vaterunser-Auslegungen sind von ihm abhängig. [...] Durch seinen scharfen, glänzenden Stil – und die Tatsache, dass er der erste Kirchenschriftsteller war, der auf Lateinisch schrieb – gilt Tertullian als Vater des Kirchenlateins." 
Leider ist über sein eigenes Leben nur wenig überliefert. Seine Bekannheit erlangte er durch seine vielen Schriften.
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Hier einige seiner Zitate:

„Gottes Sohn ist gekreuzigt worden — ich schäme mich dessen nicht, gerade weil es etwas Beschämendes ist. Gottes Sohn ist gestorben — das ist erst recht glaubwürdig, weil es eine Thorheit ist; er ist begraben und wieder auferstanden — das ist ganz sicher, weil es unmöglich ist.“  

„Die Wahrheit errötet nicht."

„Welche Lust kann größer sein als der Ekel an der Lust selbst."


Unser Glaube ist die Auferstehung der Toten."

Jedes Unrecht in Worten oder Taten nimmt ein Ende, wenn es auf Geduld trifft." 

Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche."

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