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Mittwoch, 3. Juli 2013

Das Versagen der christlichen Psychologie


Je mehr weltliche Psychologie die Gemeinde beeinflusst, desto weiter bewegen sich die Leute von einer biblischen Sicht der Probleme und ihrer Lösungen weg. Schritt für Schritt ersetzen Therapeuten die Bibel, Gottes Hauptwerkzeug heiligender Gnade (Joh 15,3; 1Kor 1,21; Heb 4,12). Der Rat dieser Profis ist geistlich gesehen oft verheerend. Vor nicht allzu langer Zeit hörte ich fassungslos, wie ein christlicher Psychologe während einer Radio-Livesendung einem Anrufer riet, seinem Ärger gegenüber seinem Therapeuten durch eine obszöne Geste Luft zu machen. „Machen Sie's nur!" sagte er dem Anrufer. „Es ist ein ehrlicher Ausdruck Ihrer Gefühle. Versuchen Sie nicht, Ihren Ärger zu verbergen." „Was ist mit meinen Freunden?" fragte der Anrufer. „Soll ich gegenüber allen so reagieren, wenn ich wütend bin?"
„Warum nicht?" sagte dieser Seelsorger. „Sie können dies gegenüber jedermann tun, wann immer Sie sich danach fühlen. Außer gegenüber denen, von denen Sie denken, dass sie das nicht verstehen - sie wären keine guten Therapeuten für Sie." Das ist eine Umschreibung mit eigenen Worten. Ich habe eine Aufzeichnung der ganzen Sendung, und was der Seelsorger tatsächlich vorschlug, war noch viel drastischer und ging so weit, dass es unangebracht wäre, es in gedruckter Form wiederzugeben.
In derselben Woche hörte ich eine andere populäre christliche Rundfunksendung, die Anrufern landesweit live telefonische Seelsorge anbietet. Eine Frau rief an und sagte, sie habe seit Jahren ein Problem mit zwanghafter Unzucht. Sie sagte, sie gehe mit „jedem Beliebigen" ins Bett und fühle sich ohnmächtig, ihr Verhalten zu ändern.
Der Seelsorger meinte, ihr Verhalten sei ihre Art zurückzuschlagen und die Folge der Wunden, die ihr passiver Vater und ihre herrschsüchtige Mutter ihr zugefügt hätten. „Es gibt keinen einfachen Weg zur Besserung", sagte ihr dieser Radiotherapeut. „Ihr Problem wird nicht sofort verschwinden; es ist eine Sucht, und so etwas verlangt eine ausgedehnte Seelsorge. Sie werden Jahre der Therapie benötigen, um Ihr Bedürfnis nach unerlaubtem Sex zu überwinden." Anschließend wurde der Anruferin vorgeschlagen, sich eine Gemeinde zu suchen, die tolerant damit umginge, während sie ihren Weg aus den „schmerzlichen Wunden" heraus finde, die sie zur Unzucht „zwingen" würden.
Was für ein Rat ist denn das? Erstens gab der Seelsorger dieser Frau praktisch die Erlaubnis, den Gehorsam gegenüber einem klaren Gebot der Hl. Schrift aufzuschieben: „Flieht die Unzucht!" (1 Kor 6,18; siehe auch 1Thes 4,3). Zweitens gab er ihren Eltern die Schuld und rechtfertigte ihre Rache an ihnen. Drittens schien er zu meinen, sie könnte Schritt für Schritt von ihrer Sünde loskommen - unter therapeutischer Anleitung natürlich. Außerdem vermittelte er seinen Hörern landesweit die klare Botschaft, dass er tatsächlich nicht darauf vertraut, dass der Heilige Geist die Kraft hat, das Herz und das Verhalten einer Person auf der Stelle zu verwandeln. Schlimmer noch: Er forderte Gemeinden dazu auf, die sexuellen Sünden einer Person zu tolerieren, bis die Therapie zu wirken beginnt.
Vergleichen Sie den Rat dieser beiden Radioseelsorger mit dem, was Galater 5,16 schlicht aber tiefgründig sagt: „Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen." Meinen wir wirklich, eine jahrelange Therapie könnte Menschen bis an den Punkt führen, von wo an sie im Geist wandeln? Gewiss nicht, wenn der Therapeut obszöne Gesten und Aufschub von Buße empfiehlt und dass Gemeinden gegenüber chronischer Unmoral tolerant sein sollen! Es gibt keine biblische Rechtfertigung für solcherlei Rat; tatsächlich steht er dem Wort Gottes rundweg entgegen. Der Apostel Paulus befahl den Korinthern, einen Ehebrecher dem Satan zu übergeben und aus der Gemeinde auszuschließen (1Kor 5).

Quelle: John MacArthur, Biblische Seelsorge, S.38ff.

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